10.01.2012

Schneemengen in den Bergen – Martin Horat im Höhenflug
Der Werbeauftritt von Schweiz Tourismus mit Martin Horat trifft voll ins Schwarze

p. Die Fest- und Feiertage über den Jahreswechsel 2011/12 sind vorüber. In den meisten Winterferienorten herrscht Hochbetrieb. Schnee liegt dort in Hülle und Fülle, in den Tälern aber wiegt die Farbe grünbraun obenaus. Die Zeitung ‚20Minuten’ hat aus aktuellem Anlass die Wetterprognosen der Innerschwyzer Wetterschmöcker mit dem aktuellen Winterwetter verglichen und dabei das Schweiz Tourismus-Werbeaushängeschild Martin Horat interviewt. Entstanden ist nachfolgender Beitrag, der am 10. Januar der Leserschaft vorgesetzt wurde:


von Amir Mustedanagic - Martin Horat hat eine gute Nase gehabt. Im Herbst verkündete der Wetterschmöcker viel Schnee. Der Schnee ist da und er ein Star. Ein Gespräch über Ameisen und den Instinkt von Frauen.

Statt auf Schneehäschen zu setzen, hat Schweiz Tourismus einen alten Wetterhasen für ihre aktuelle Winterkampagne ausgegraben: Wetterschmöcker Martin Horat. Die beiden Werbespots (siehe Videos oben und unten) mit dem Muotathaler sind ein voller Erfolg. Rund um den Globus fasziniert der bärbeissige 68-Jährige die Menschen. Fast untergegangen ist in der Begeisterung um die Spots, dass Horat präzis den Winter vorhersagte: «Bi üs in dr Schwiiz gits e verreckt schönä Winter mit vill Schnee und vill Sunne», so der Schwyzer im Werbespot. Nun liegen Rekordschneemengen in den Schweizer Bergen. Zeit für ein Interview mit dem Helden der Tourismusverantwortlichen.

Herr Horat, Sie werden von Meteorologen oft belächelt. Nun haben Sie voll ins Schwarze getroffen mit dem aktuellen Winter. Wie gross ist die Genugtuung?
Martin Horat: Das ist schon schön, zumal wir die Vorhersagen ja gratis machen. Wir haben nicht so Saläre wie die in Zürich. Dabei können es die dort auch nicht 100 Prozent vorhersagen.

Warum haben Sie gewusst, dass es diesen Winter wieder richtig viel Schnee geben wird?
Es ist wieder Zeit dafür. Ich habe das bereits im Sommer und im Herbst gesagt, dass es diesen Winter viel Schnee geben wird - der Klimaerwärmung zum Trotz. Ich glaube nicht daran. Ein Auf und Ab gibts immer.

Sie haben den Winter auch an den Oberschenkeln der Ameisen abgelesen. Worauf achten Sie dabei?
Das Wetterprophezeien braucht jahrelange Erfahrung. Man muss sich näher und fleissig damit befassen. Ich beobachte die Ameisen schon seit zehn Jahren. Auch die Vergangenheit sollte man kennen, ich schaue mir die vergangenen 500 bis 600 Jahre in den Chroniken an und ziehe dann meine Schlüsse.

Von wem haben Sie das Ameisen-Lesen gelernt?
Ein alter Kollege – der Max Heinzer – hat mir mal den Tipp gegeben mit den Ameisen. Er hat mir allerdings nicht gesagt, worauf ich schauen muss. Er sagte, jeder müsse selber lernen, worauf man achtet. Er lief einfach am Ameisenhaufen vorbei. Ich glaube nicht, dass das so geht.

Sie setzen sich direkt auf den Haufen. Wie lange sitzen Sie in der Regel da?
Bis es mir verleidet. Es riecht ja ungeheuerlich nach Schwefel.

Im zweiten Werbespot haben Sie auch am Schnee gerochen und davon gegessen.
Das mit dem Schnee habe ich letzten Frühling frisch entdeckt. Hab einfach mal probiert und dann bemerkt – eine gute Idee. Bis ich damit aber Prognosen machen kann, brauche ich noch viel Erfahrung.

Wie sicher sind Sie sich mit Ihren Prognosen?
Man muss sich schon sicher sein und Selbstvertrauen haben. Aber das Schwierige sind die Winde, die kann man nicht vorhersagen. Die kommen manchmal und dann ist alles anders. Vor allem der Föhn ist schwierig.

Was sagen die Ameisen und der Schnee denn zum Rest des Winters? Wird es nochmals schneien?
Ja, ja. Es schneit noch. Anfang Februar. Es wird auch einen späten Frühling geben. Unten durch wird es auch noch mehr geben - im Flachland bis zu einem halben Meter. Es muss aber erst noch kälter werden. Auch im März wird es schneien. Es wird ein richtiger Schneewinter – hauptsächlich in den höheren Regionen.

Sie haben prophezeit, der aktuelle Winter werde wie der 1968.
Das war der grösste Schnee, den ich ja erlebt habe. So viel habe ich nie mehr erlebt. Und ich bin 68 Jahre alt.

Haben Sie den Winter damals auch prophezeit?
Ich bin damals noch kein Wetterprophet gewesen. Bin z’wenig gschid gsi.

1999 gab es ja auch Rekordschneehöhen. Worauf haben Sie damals geschaut?
Es waren nicht die Ameisen. Ich weiss es gar nicht mehr. Ich glaube es waren Ohrengrübler.

Dank den Werbespots von Schweiz Tourismus sind Sie noch berühmter geworden …
Ja, ja. Die Leute sprechen einen schon auf der Strasse an. Nur jene, die einem den Erfolg nicht gönnen, sagen nichts. Es gab auch ein paar Franken dafür, aber dafür muss man das nicht machen.

Was ich fragen wollte ist, ob Sie sich in den ausländischen Spots gesehen haben?
Ja, ja. Hab die Werbungen alle gesehen. In den meisten Ländern werde ich untertitelt. In der französischen Version habe ich gesehen, wie ich französisch rede. War noch cheibe guet zum Luege …

Könnten Sie auch im Ausland das Wetter vorhersagen?
Ich bin schon in Köln gewesen bei RTL. Die haben mir einen Ameisen-Haufen ins Studio gekarrt. Das ginge also schon, aber ins Ausland gehe ich also nicht gratis.

Ich habe gelesen, dass Sie Nachwuchsprobleme bei den Wetterschmöckern haben …
Nein, nein. Es kommen immer wieder solche, die es lernen wollen. Es müssen aber solche sein, die etwas verstehen - Gschidi. Es braucht ein Gefühl dazu, ganz wenige haben dieses Gespür.

Warum gibt es eigentlich keine Frauen bei den Wetterschmöckern?
Das darf ich schier nicht sagen. Ich will Frauen nicht beleidigen – ich hab nichts gegen sie – aber für diesen Zweck haben sie keinen Instinkt. Frauen «schmöcken», wenn ein Mann einen Kaffi-Schnaps zu viel hatte, aber das Wetter «schmöcken» sie nicht.
 


Tags darauf berichtete 20Minuten gleich nochmals über das Winterwetter: