Als noch fallende Luft für kalte Getränke an heissen Tagen sorgte
Ein Schutthang und Kaltluftströme versorgen den ‚Bierkeller’ mit konstant kühlen Temperaturen

Nichts ist an heissen Tagen erfrischender als gekühlte Getränke. Das war schon immer so. Nur war der Aufwand noch vor fünfzig Jahren z.B. für ein ‚kühles Blondes’ ungemein grösser. Wer sich einen gekühlten Gerstensaft leisten konnte, der machte in einer Gaststätte Halt. Denn fast nur dort gab es richtig kalte Getränke – ganz einfach deshalb, weil die Gasthäuser die Einrichtung hatten, diese zu kühlen. Das taten sie mit Eisblöcken, welche die Brauereien ihren Kunden zusammen mit dem Bier auslieferten. Vor rund einem halben Jahrhundert dann haben Tiefkühltruhen und Kühlschränke die Gewerbe- und Haushaltsbetriebe erobert und die Kühlaufgabe übernommen. Eis wurde bis dato in so genannten ‚Eis-‚ bzw. ‚Bierkellern’ gelagert. Diese standen am Fusse von Schutthängen, wo konstant kalte Luftströme aus dem Untergrund strömten und es auch heute noch tun.

Von Peter Rickenbacher

Fortschritt sei Dank: die Verfügbarkeit von allerlei saisonalen Nahrungs- und Genussmitteln ist allgegenwärtig. Volle Regale in den Verkaufsstätten und zu Hause sind eine Selbstverständlichkeit. Gar manche Erfindung hat unsern Wohlstand beflügelt, auf den wir nicht mehr verzichten möchten. So zum Beispiel gekühlte Nahrungsmittel über 365 Tage im Jahr. Doch noch vor einigen Jahrzehnten war vieles anders; bevor moderne Kühlmaschinen und –geräte in unserer industrialisierten Welt Einzug hielten, nutzten unsere Vorfahren natürliche ‚Hilfsmittel’ (lies: Konservierungsmittel), um Nahrungsmittel zu kühlen und zu lagern. Dies war vor allem für die rasch verderblichen Milchprodukte, Käse und anderer Lebensmittel, aber auch von Bier von grosser Bedeutung. Heute erinnern nur noch Begriffe an die Vorläufer unserer Kühlschränke. So zum Beispiel ‚Milchhüttli’, ‚Felsenchäller’, ‚Chäschäller’ oder konkret ‚Bierchäller’. Im nachfolgenden Bericht wird die Funktion des ‚Bierchäller’ ausgangs Seewen Richtung Lauerz erläutert.

Der ‚Seebner Bierchäller’
Seinen Namen ‚Bierchäller’ hat das Gebäude an der Lauerzerstrasse dank seiner Zweckbestimmung erhalten: Keller für die Einlagerung von Bier. Während Jahrzehnten wurde darin Bier eingekellert. Später dann vor allem Eis aus dem nahen Lauerzersee. Es war der ganzjährig kalte Keller der Bierbrauerei und späteren –handlung ‚Bättig’ aus Unterseewen. Gebaut wurde er 1893/94. Und zwar exakt dort, wo ein Kaltluftstrom die warme Jahreszeit über konstante Kälte garantiert. 1909 wurde er um einen zweiten ‚Chäller’ erweitert. Kaltluftlöcher wie jenes im ‚Bierchäller’ sind der Menschheit seit jeher bekannt und wurden überall genutzt. Die Bus-Haltestelle ‚Bierchäller’ beim Wernisberg ausgangs Schwyz Richtung Muotathal verrät, dass auch dort ein Bier- bzw. Eiskeller existierte. Das in solchen Kellern eingelagerte Eis hielt sich bis weit in den Herbst hinein und schmolz nur um etwa einen Drittel. Verwendung fand das kühle Gut hauptsächlich in den Bierdepots, wurde aber auch an Hotels und Metzgereien abgegeben. Diese wiederum nutzten das Eis ebenfalls zur Kühlung und Haltbarkeit von Getränken und Lebensmitteln. Der Seebner Bierkeller am südöstlichen Ufer des Lauerzersees erstreckt sich 18 Meter tief in den Urmiberg hinein und ist je etwa 5 Meter breit und hoch. Eigentlich sind es zwei übereinander liegende Gebäude; das obere ist einige Meter in den Hang zurückversetzt und heute von der Strasse her kaum mehr erkennbar. Auch ist es kleiner. Der kalte Luftzug hingegen ist bei beiden immer noch sehr deutlich spürbar. Besonders Velofahrer kennen die ‚Abkühlungs-Passage’ entlang des Sees.
Weit grössere Masse weist der ‚Bierchäller Wernisberg’ auf. Er ist 47 Meter in den Berg gebaut worden und diente ebenfalls der Kühlung. 1924 kaufte ihn das EMD und nutzte ihn um. Seit März dieses Jahres ist er in Privatbesitz.

Funktion des Bierkellers
Eigentlich funktioniert ein natürlicher Bier-Keller wie jener am Lauerzersee ganz simpel. Alle diese Keller liegen an Schutthängen. Denn letztere sind von Kaltluft durchströmt, sofern die Luft im Innern des Schuttes durch dessen Zwischenräume bis zum Fusse des Hanges absinken kann. Der absteigende Luftstrom im Gehängeschutt kommt dann zustande, wenn am oberen Teil des Schuttes Luft in den Schutt eindringt, sich im Innern abkühlt und durch die vielen Lufträume absinkt. Im untern Teil des Schutthanges tritt die Kaltluft in Form von so genannten Wind- oder Wetterlöchern wieder aus. Die absinkenden Luftmassen bewirken im obern Teil einen Sog, welcher wiederum warme, trockene Luft anzieht. Das im Schutt gespeicherte Wasser verdunstet und entzieht dabei dem Geröll Wärme. Dank Verdunstung kann laufend warme Luft abgekühlt werden, ohne dass dabei die Temperatur im Boden ansteigt. Die absteigende Luft nimmt bis zum Austritt im Wind- oder Wetterloch das verdunstete Wasser auf und erreicht dabei eine hohe Luftfeuchtigkeit.

Mauern mit Ritzen zwecks Luftzirkulation
Diese natürliche ‚Luftfilterung’ nutzten unsere Vorfahren. Wo Kaltluft aus dem Boden strömte, da wurden Eis- und Bierkeller in den Hang hineingebaut. Aber auch das wiederum verlangte genaue topographische und bauliche Kenntnisse; die Mauern im hintern, bergseitigen Teil der Keller durften nicht luftdicht verfugt werden, da sich sonst keine Luftzirkulation bilden konnte. Denn nur diese garantierte, dass das Kaltluftstromsystem funktionierte und das Lagergebäude auch während der warmen Jahreszeit gekühlt blieb.

Maturanden experimentierten und analysierten
Das Phänomen der luftgekühlten Keller hat schon viele Menschen auf den Plan gerufen. Der ‚Bierchäller’ in Seewen macht da keine Ausnahme. Verschiedentlich schon haben Maturanden des Kollegiums Schwyz sich des Themas angenommen und den ‚natürlichen Kühlschrank’ unter die Lupe genommen. Gabriel Hürlimann und Christian Gnos beispielsweise untersuchten 1994 die Temperaturen im und um den Bierchäller sehr genau. Sie zeichneten während 38 nacheinander folgenden Tagen ihre Feststellungen auf. Zur Innentemperatur und Luftfeuchtigkeit stellten die Jungforscher fest: „Die Innentemperatur und die Luftfeuchtigkeit blieben während der Messzeit ziemlich konstant. Erstere schwankt nur im Bereich von 6,5 bis 7,2 Grad Celsius. Auch die Feuchtigkeit der Luft im Innern des Kellers änderte sich kaum: sie blieb immer um 80 % relative Luftfeuchtigkeit.“ Weiter stellten die Maturanden fest, dass innerhalb des 18 Meter langen Kellers kaum Temperaturunterschiede auszumachen waren. „Die Luftmassen bewegen sich vom hinteren Teil, wo sie durch das Gemäuer hereinströmen, zum vorderen, wo sie durch den Türspalt und die beiden länglichen Fenster entweichen“. Interessant auch die Feststellung zur Aussentemperatur um den ‚Bierchäller’; diese lag immer etwa um 4 Grad Celsius unter der Messstation, die parallel dazu in Schwyz aufgestellt wurde. Den starken Temperaturunterschied erklärten sich die Maturanden damit, dass die Messstation in der Schattenlage des Sitiwaldes am Urmiberg angebracht war.

Stalaktiten
In beiden Gebäuden des Seebner Bierchällers hängen viele Stalaktiten an der Decke. Diese weisen eine Länge von bis zu 40 Zentimeter auf. Spuren von Kalkablagerungen finden sich auch auf den Böden. Sie sind ein Indiz für die Feuchtigkeit im Innern des natürlichen Kellers und für den Kalkgehalt des Bodens oberhalb des Bierkellers. Die Luftzirkulation im Schutt ist an warmen, trockenen Tagen viel stärker als an feuchten, da die bereits feuchte Luft im Schuttfeld weniger verdunstetes Wasser aufnehmen kann und dadurch weniger stark abgekühlt wird. Aus der Stärke der ausströmenden Luft kann also auf die äussere Luftfeuchtigkeit geschlossen werden, weshalb die Kaltluftlöcher auch als Wetterlöcher bezeichnet werden. Im Frühling und im Herbst, wenn die Aussentemperatur zwischen 6 und 10 Grad Celsius beträgt, reisst die Luftzirkulation im ‚Bierchäller’ ab. Die Luft kann im Schuttfeld nicht mehr abgekühlt werden, und die Innentemperatur ist ungefähr gleich der Umgebungstemperatur.
An Schutthängen, wo sommerliche Kaltluft an deren Füssen entströmt, kann im Winter beobachtet werden, dass oben ‚Warmluft’ austritt, die den Schnee zum Schmelzen bringt. Denn wenn die Luftmassen im Innern des Bodens wärmer sind als die Aussenluft, findet eine Luftströmung in entgegen gesetzter Richtung statt, da die Warmluft im Schutt aufsteigt. Durch den Bierkeller wird frische Luft angesaugt, die durch die Bodenwärme im Berginnern aufgewärmt wird.

Umwelt und Vegetation
Sowohl die ausgeprägte Schattenlage als auch die Kaltluftaustritte schaffen spezielle Lebensbedingungen für die Vegetation. Am Fuss der Gehängeschuttmulde tritt an vielen Stellen Kaltluft aus. In Form von vielen kleinen Luftströmen rieselt – je nach Oberflächengestalt und in vielfacher Verzweigung gleich einem Adernetz – die Kaltluft durch die Pflanzendecke. Die ungleiche Verteilung und Intensität tragen zur mosaikartigen Verteilung der Vegetation bei. Die Folge: unterschiedlichste Pflanzen leben auf engstem Raum nebeneinander. So zum Beispiel das zerbrechliche Blasenfarn (kalkliebend) und der Dornfarn (kalkfliehend).

Viele spezielle Pflanzen im Umgelände
Die Vielzahl der Pflanzenarten um den ‚Bierchäller’ ist ein Beweis für einen feuchten, nährstoffreichen Boden in einem schattigen Klima. Typische Vertreter sind: Heidelbeere, Preiselbeere, Wurmfarn, Esche, Fichte, Rotbuche oder die Kümmerfichte.
Die Ausnahme bestätigt die Regel, dass auch vereinzelt Arten vorkommen, die nährstoffarme Böden vorziehen. So z.B. die Rundblättrige Glockenblume oder das Gefleckte Knabenkraut.
Zweifelsfrei schaffen die ausgeprägte Schattenlage des ganzen Sitiwald-Gebietes an der Urmiberglehne als auch die Kaltluftaustritte ganze spezielle Lebensbedingungen für die Vegetation um den ‚Bierchäller’. Ähnliche Bedingungen kennen die im genannten Gebiet vorkommenden Pflanzenarten in Regionen zwischen 2000 und 3000 Meter über Meer. Ernst Furrer vom geobotanischen Institut der ETH Zürich hat 1960 in einer umfangreichen Analyse festgestellt: „Selten häufen sich montan-subalpine Gefässpflanzen in derart hoher Arten- und Individuenzahl auf engem Raum wie am südöstlichen Ufer des Lauerzersees“, also rund um den ‚Bierchäller’.

Zustand heute
Der ‚Bierchäller’ diente nach der Aufgabe des ‚Iischnä’ im Lauerzersee 1962 über Jahre noch als Materiallager. Anfangs der 1980er Jahre wurde er von der Besitzerfamilie Bättig weiterverkauft. Er ist heute in Privatbesitz. Gegen Ende des letzten Jahrhunderts wurden Versuche unternommen, im leeren Keller Speise-Pilze (Champignons) zu züchten. Dann wiederum wurde Käse gelagert. Auch jetzt wieder dient er als Lagerraum. Die hölzernen Gebäudeteile sind teilweise morsch, in den Mauern sind stattliche Risse auszumachen. Das ganze Areal ist heute inzwischen stark verbuscht. Eine Fotographie von Ingenieur Bettschart aus dem Jahre 1893 beweist, dass dies einmal anders war. Sie zeigt den gerade neu erstellten ‚Bierchäller’ am Fusse der damals noch völlig unbewaldeten Schutthalde.

Geschützte Gegend, geschütztes Kulturgut
Auch wenn der ‚Bierchäller’ nicht mehr als solcher dient, ‚entsorgt’ wird er deswegen nicht. Denn er geniesst den staatlichen Schutz. Das Amt für Raumplanung dazu: „Der Bierkeller steht im BLN-Gebiet ‚Rigi-Mythen’, im ‚Bundesinventar Landschaften von Nationaler Bedeutung’ und geniesst somit den Schutz der Eidgenossenschaft.“ Das bedeutet, dass an ihm grundsätzlich keine Veränderungen vorgenommen werden dürfen. Hingegen ist er nicht explizit im KIGBO aufgelistet, im kantonalen Inventar geschützter und schützenswerter Bauten. Dennoch kommt der ‚Bierchäller’ und der darüber liegende Schutthang, wie aus der ‚Verordnung betreffend den Natur- und Heimatschutz und die Erhaltung von Altertümern und Kunstdenkmälern vom 29. November 1927’ hervorgeht, in den Genuss auch des kantonalen Schutzes. Darin heisst es nämlich in Artikel 1: „Der Kantonsrat des Kantons Schwyz …beschliesst: In der freien Natur befindliche Gegenstände, denen ein wissenschaftliches Interesse der ein bedeutender Schönheitswert zukommt, geniessen den staatlichen Schutz. Der Schutz erstreckt sich insbesondere: a) auf Naturdenkmäler, wie erratische Blöcke, interessante Felsgruppen, bemerkenswerte geologische Bildungen, Höhlen, Grotten, seltene Bäume und Baumgruppen und dergleichen; b) auf prähistorische Stätten; c) auf Orts- und Landschaftsbilder und Aussichtspunkte; d) auf Heilquellen.“  Und Artikel 2 präzisiert weiter: „Es ist untersagt, die in Artikel 1 genannten Objekte ohne Bewilligung der zuständigen Behörde zu beseitigen, zu verunstalten, in ihrer Wirkung zu beeinträchtigen oder sie der Allgemeinheit zu entziehen. Demgemäss sind insbesondere die Errichtung oder Veränderung von Hoch- und Tiefbauten (…) dann zu untersagen, wenn dadurch (…) genannte Objekte in ihrem Bestande bedroht, verunstaltet, in ihrer Erscheinung beeinträchtigt, oder der Allgemeinheit entzogen würden.“ In Artikel 6 wird gar konkret noch Bezug genommen auf das Gebäude: „Es ist untersagt, Bauwerke, an die sich wichtige geschichtliche Ereignisse knüpfen oder denen ein erheblicher kunsthistorischer Wert zukommt, zu verunstalten, in ihrer Wirkung zu beeinträchtigen, der Allgemeinheit zu entziehen oder ohne Bewilligung des Regierungsrates zu beseitigen.“

 

Bierbrauerei in Seewen
Die Begriffe ‚Bier’ und ‚Bättig’ haben in Seewen rund 130 Jahre lang Geschichte geschrieben. 1852 zog der gelernte Bierbrauer Johann Bättig nach Seewen. Schon bald begann er, im Gasthaus ‚Kreuz’ Bier zu brauen. Josef, der älteste Sohn, übernahm dann die Brauerei und führte diese weiter. Bis 1902 brauten die ‚Bättigs’ selbst Bier. Es folgten Verkäufe der Bierbrauerei an die Brauerei Wald (ZH) und anschliessend an die Wädenswiler Bier. Nach einer Umbenennung wurde das Bier dann ‚Cardinal’ genannt. Es gehörte fortan zur SIBRA-Gruppe. Im Jahre 1900 wurden in der ganzen Schweiz 706 Bierbrauereien registriert, 1950 waren es nur noch 58. Die ‚Bättigs’ kühlten ihr Bier anfangs im vorgenannten ‚Bierchäller’ zwischen Seewen und Lauerz, bevor am Stammsitz in Unterseewen 1923 eine elektrische Kühlung installiert wurde. Der Bierchäller wurde dann nur noch zur Lagerung von Eis benutzt. Im unteren Keller lagerten bis 350 Tonnen des kalten Gutes, im obern im Durchschnitt 60 Tonnen. 1962 wurde der ‚Bierchäller’ zum letzten Mal mit Eis aus dem nahen Lauerzersee gefüllt. 1984 verabschiedeten sich die ‚Bättigs’ aus Seewen mit dem Verkauf der Gebäulichkeiten, womit auch der Bierhandel bzw. das –depot aufgegeben wurden.

 


Hingesetzt an den Fuss einer Schuttmulde:
im ‚Bierchäller’ am Lauerzersee misst die Temperatur den ganzen Sommer über kaum mehr als 7 Grad Celsius. Heute bildet er ein Unikat im innern Schwyzer Kantonsteil.

 
1893, vor 113 Jahren:
der soeben neu gebaute ‚Bierchäller’ stand damals noch am Fusse des unbewaldeten Urmiberges.

 


Unscheinbar, aber doch sehr speziell:
der ‚Bierchäller’ an der Kantonsstrasse ausgangs Seewen am Lauerzersee.


Zuerst Bierlager, dann eines für Eis:
bis 1962 wurde im ‚Bierchäller Bättig’ Eis aus dem nahen Lauerzersee eingelagert.

 
Seil-Halterung ‚Göppel’:
via dieser Umlenk-Vorrichtung zogen Rösser das Eis hinauf zum ‚oberen Bierchäller’ am Lauerzersee.

 
Der ‚obere Bierchäller’:
Innenansicht im Frühling 2006 mit Stalaktiten an der Decke und morschem Holz in der Ecke.


Der ‚untere Bierchäller’:
Er misst stattliche 18 Meter Länge und rund 5 Meter Höhe.

 
Viel Kalk im Berg:
bis zu 40 Zentimeter lange Stalaktiten zieren das Deckengewölbe des ‚Bierchäller’.


…und auf dem Erdreich:
Kalkablagerungen als kleine Stalagmiten.


Schematisch dargestellt:
so funktioniert die ‚Kaltluftproduktion’ an einem Schutthang. Oben wird warme Luft angesaugt, unten strömt dann kalte heraus.


Besondere Vegetation:
rund um den ‚Bierchäller’ wachsen sehr spezielle Pflanzen wie z.B. die Kümmerfichte.

 
Im Sitiwald oberhalb des ‚Bierchällers’ heimisch:
der Schwarzspecht hat zahlreiche Bäume ‚bearbeitet’.


Auch Hirsche leben am Urmiberg im Sitiwald:
ein durch ein Geweih geschundener Baumstamm liefert den Beweis.


Der andere Bierkeller im Raum Schwyz:
beim ‚Wernisberg’ Richtung Muotathal findet sich ein anderer, bereits 1924 stillgelegter ‚Bierchäller’. Mehrmals wurde er in der Folge baulich verändert.


18.01.2007

Naturphänomen kommt nicht ins KIGBO-Verzeichnis
Der Gemeinderat Schwyz sieht keinen Handlungsbedarf

p. Vor rund 45 Jahren, im Jahre 1961, wurde auf dem Lauerzersee letztmals Eis gewonnen. Dieses diente zur Kühlung von allerlei Getränken und Nahrungsmitteln. Ein Grossteil des kalten Gutes wurde bis zur Verwendung zwischengelagert im so genannten ‚Bierchäller’ ausgangs Seewen Richtung Lauerz. Exakt dort nämlich befindet sich ein Luftzug, welcher vor allem in den warmen Sommermonaten für angenehm-kühle Luft um die 6-7 Grad Celsius sorgt. Am Fusse der Geröllhalde, dort wo der Luftzug aus dem Berg herausströmt, wurde im vorletzten Jahrhundert (1893) ein Keller errichtet, eben der ‚Bierchäller’. Seit er nicht mehr genutzt wird, haben sich dort an den Gewölbedecken wunderschöne Stalaktiten gebildet. Im Wissen, dass es sich um den letzten Original-erhaltenen Kaltluftkeller im innern Schwyzer Kantonsteil handelt, hat der Quartierverein Unterseewen+Seewenstrasse Mitte September 2006 bei der Behörde beantragt, das einzigartige Kulturobjekt unter Schutz zu stellen. (Siehe NEWS vom 24.9.2006). Dies aus der Überlegung heraus, dass der Keller in sich zusammenfallen könnte. Soeben hat nun der Gemeinderat Schwyz reagiert. Er hat den Antragsstellern mitgeteilt, dass er als Legitimationsinstanz darauf verzichtet, bei den kantonalen Instanzen einen Antrag um Aufnahme des ‚Bierchäller’ ins KIGBO-Verzeichnis zu stellen.

Anmerkung in eigener Sache: Schade!

Untenstehend das abschlägige Antwortschreiben des Gemeinderates im Wortlaut: