11.09.2010
‚Wetterpropheten-Pfarrer’ ist
gestorben
Er
leistete den Wetterschmöckern während Jahrzehnten geistigen Beistand
p. Für alle recht unerwartet
ist am 9. September 2010 alt Pfarrer Aloys von Euw im 89. Lebensjahr gestorben.
Er verbrachte die letzten Monate im Altersheim Acherhof in Schwyz, nachdem er
fast drei Jahrzehnte als Pfarrer in Morschach amtete. Aloys ist weit über die
Region hinaus bestens bekannt: als ‚Samichlaus-Ausbildner’, Schriftsteller und
Humorist. Besonders angetan hatten es ihm auch die ‚Wetterfrösche’, speziell die
‚Muotathaler Wetterfrösche’ des Meteorologischen Vereins Innerschwyz. Er war
quasi deren geistiges Gewissen… So gab es kaum eine Versammlung oder ein Umzug,
wo er nicht dabei war und mit seinen träfen Sprüchen für Heiterkeit sorgte! Ohne
Zweifel, der langjährige Pfarrer von Morschach trug viel zur Popularität der
sechs ‚Wetterschmöcker’ bei. Auch sonst ist sein Lebenswerk beachtlich.
Die Beerdigung findet am Dienstag, 14. September 2010 in Schwyz statt.
Herr gib ihm die ewige Ruhe und lass ihn weiter die schützende Hand über die
‚Wetterschmöcker’ halten.

Todesanzeige

Kurzer Nachruf aus dem ‚Bote der Urschweiz’ vom 10.9.2010

Kurze Meldung zum Tod von Aloys von Euw aus der ‚Neuen Schwyzer Zeitung’ vom
10.9.2010

Zwei Fotos von Aloys von Euw aus dem Jahre 2007.
Folgende Abdankungsrede hielt der Schwyzer Pfarrr Reto Müller anlässlich des Beerdigungsgottesdienstes von Pfarrer Aloys von Euw:
| Abdankung von Pfr Aloys von Euw am 14.9.2010 in der Pfarrkirche
Schwyz Schriftlesungen: Phil 2,6-11 und Joh 3,13-17 1974, als diese Kirche 200 Jahre alt war, schrieb Aloys von Euw über sie im Pfarrblatt von Pfungen: „Die Pfarrkirche Schwyz scheint allen Jubel dieser Erde eingefangen zu haben und spielt ihn wie eine himmlische Melodie zu den hohen Kuppeln, Kapitellen und Altären weiter. Und doch zappelt’s da von Engeln und Schabernack und ächzt mitunter in den Atlanten, die eine herrliche Kanzel zu tragen haben, schwer dazwischen. Die Kirche zu St Martin ist der Stolz der Schwyzer. Die Kirche, die wie eine Mutter ihre Kinder sammelt (wie eine Henne ihre Küklein, Mt 23,37) und die stolzesten Herrschafts-häuser aus königlich-französischem Solde wie die bürgerlichen Giebel und Gaststätten weit hinter sich lässt. Ich könnte mir vorstellen, dass eines Tages ein kleiner Dreikäsehoch ehrfürchtig zur Mutter hinauf flüstern könnte: Mami, isch das de Himmel?“ Nein, die Kirche ist nicht der Himmel – sie ist die Vorhalle zum Himmel. „Als ich den ersten bittren Abschied nahm, / blieb ich noch einmal zögernd stehn. Da kam / der Kirche Tröstung auf mein Trauern zu, / nahm mich ans Herz und sagte leise: Du!“ So zitiert Aloys von Euw den Dichter und Mitbruder Walter Hauser. Aloys von Euw war ein „höherer Schwyzer“: er stammt aus Aufiberg und war das älteste von 8 Kindern. Jetzt leben noch 3 Schwestern. Die letzten Jahre hat er in Schwyz im Acherhof verbracht; so hat sich sein Lebenskreis geschlossen. Mir war er schon als Kind ein Begriff, weil er in unserer Nachbarpfarrei, in Zürich-Altstetten, Vikar war und schon damals eine lebendige Legende. Die Kinderlager in Reckingen und Glurlingen im Wallis, auch in Rigelsee, Einsiedeln und im Tessin haben tausende, ja zehntausende von Kindern besucht. Aus dem herausgewachsen sind Kinder- und Jugendbücher und seine Rolle als grosser Kinderfreund: als Samichlaus, die er mit Forschungen und Reisen nach Bari und später mit richtigen Einführungsseminaren für Samichläuse sehr ernst genommen hat. Seine besondere Aufmerksamkeit für Kinder hat ihn ein Gespräch mit Erwachsenen unvermittelt aufgeben lassen, wenn ein Kind erschien. Ihnen haben seine Sorgfalt und sein Respekt zuerst gehört. Ob er das selber erlebt hat, was er in einem seiner Büchlein berichtet? Dass er einer kleinen Erstkommunikantin die Frage gestellt habe: „Wer hed dich erschaffe?“ „De lieb Gott“, habe sie pflichtschuldig geantwortet: „aber nu ganz am Aaafang; de Rescht bin i sälber gwachse.“ Kinder, Menschen wachsen lassen, begleiten in ihrer Menschwerdung, auf ihrem Glaubensweg, das war für Aloys von Euw Seelsorge, Dienst, denn Gott will ja nicht, dass die Menschen zugrundegehen, sondern das ewige Leben haben. Eine andere Frage, wo Gott wohne, habe der kleine Sohn des Arztes so beantwortet: „Wohne tuet er im Himmel, aber Praxis hed er i de Chile.“ Die Praxis der Menschenfreundlichkeit und Lebensfreude, der Hoffnung und des Humors. Aloys von Euw zitiert im Vorwort zu einer seiner Witzsammlungen Thomas von Aquin: „Das Merkmal aller, die es zur vollkommenen Liebe Gottes gebracht haben, ist eine ausnehmende und unerschütterliche Fröhlichkeit.“ Das Kreuz ist das Zeichen der Erlösung. Durch das Kreuz ist Jesus in den Himmel aufgestiegen, wie es im Johannes-Evangelium heisst, und Aloys von Euw folgt ihm jetzt, „heiter auf der Himmelsleiter“. Er bringt zwar dazu selber eine kritische Geschichte: Der Pfarrer sei im Krankenhaus. An der Kirchentür werde laufend über seinen Zustand berichtet. Um eins steht: Der Pfarrer wird eben operiert. Um drei: Der Zustand des Pfarrers ist besorgniserregend. Um fünf: Der Pfarrer hat uns leider verlassen und den Weg zum Himmel angetreten. Um acht Uhr abends schrieb ein Spassvogel darunter: Grosse Aufregung im Himmel: Der Pfarrer ist noch nicht eingetroffen. Es wird das Schlimmste befürchtet. Ich glaube, das Geheimnis von Aloys von Euw, das er von den Kindern übernommen hat, war, dass er sich selber nicht so ernst genommen hat. Er konnte über sich lachen und über die so menschlichen Seiten des Lebens und der Kirche. So hat der Bischof einmal zum Pfarrer gesagt: „Sie machid schiints schlächti Witz über mich!“ „Was?“, sagt der Pfarrer, „dLüüt sägid mer immer, ich machi gueti!“ Auch diese Geschichte ist aus einem Büchlein des Verstorbenen. Es hat sich jedoch um einen anderen Pfarrer gehandelt – und um einen anderen Bischof. Das sich nicht ganz ernst Nehmen, der Sinn für Schalk hat ihn wohl auch bewogen, bei den Muotathaler Wetterpropheten mitzumachen, in der Jury und quasi als Conférencier ihrer „ernsten“ Zusammenkünfte. Die Naturverbundenheit hat natürlich mitgespielt. Er hat Gottesdienste gehalten auf dem Fronalpstock und dem Stanserhorn; schon vor 50 Jahren hat er auf dem Dom Messe gelesen, und vor über 60 Jahren hat er vom Matterhorn aus der ganzen Schweiz seinen Primizsegen erteilt. Davon ist einiges wahr geworden: Das ganze Land hat er erreicht mit seinem segensreichen Wirken und Humor, mit seinem erlösten Glauben und seiner Menschenliebe. Ja, über unser Land hinaus hat man ihn wahrgenommen, sicher in Rom, wo er regelmässig die Schweizergarde besucht hat. Ueber den Papst des Lächelns, Johannes Paul I, hat er geschrieben. Einen Schüleraufsatz zitiert er zwar auch: „Gott ist überall, nur in Rom hat er einen Stellvertreter“, doch ist ihm die Kirche nicht etwa nur knapp erträglich gewesen, sondern lieb: sein Lebensraum, seine Heimat. Er hat früh Oekumene praktiziert, dass es ihm einen Rüffel des damaligen Generalvikars eintrug, und schon 1965 Mädchen zum Ministrieren eingesetzt. Einer Sitzung der Bischofskonferenz im Mattli in Morschach hat er zusammen mit seinem Esel seine Aufwartung gemacht, und ich weiss nicht, ob er die Erklärung dazu nur mir erzählt oder auch den Bischöfen gegeben hat: darum lasse ich sie offen. Zu bewundern ist seine unermüdliche Hingabe, mit Leib und Seele, mit einem Eifer und einer Herzlichkeit, von der wir alle lernen können. „Was ist eine lässliche Sünde?“ habe er in einer Religionsprüfung gefragt. „Eine Sünde, die man auch lassen könnte“, habe ein Kind geschrieben. Ein anderes: „Eine lästige Sünde.“ Ein drittes: „Eine Sünde, die man vergessen hat zu tun.“ Lieber Aloys, du hast das Leben ausgeschöpft, erfüllt, hingegeben und geteilt. Nun teilt Gott sein Leben mit dir. Amen. |
In der NZZ am Sonntag vom 17. Oktober 2010 schrieb Willi Wottreng folgenden Nachruf auf Aloys von Euw: